Baugenehmigungen in Lüneburg: FDP fordert Klarheit – schnellere Verfahren für alle statt Sonderlösungen
Heute Nachmittag befasst sich der Bauausschuss der Hansestadt Lüneburg erneut mit dem Thema Baugenehmigungen. Die FDP-Fraktion fordert in diesem Zusammenhang mehr Transparenz und Fairness bei den Verfahren. Hintergrund sind die Antworten der Verwaltung auf zwei Anfragen der FDP aus den Jahren 2024 und 2025 sowie die aktuellen Entwicklungen rund um den neuen MOIN-Busbetriebshof.
Während die Verwaltung im Herbst 2024 noch eine detaillierte Aufschlüsselung nach Wohn- und Gewerbebauten vorlegte, hieß es 2025 plötzlich, eine solche Differenzierung sei nicht mehr möglich. „Das ist widersprüchlich: Im einen Jahr werden konkrete Zahlen geliefert, im nächsten heißt es, das geht nicht mehr. Digitalisierung darf nicht zu weniger, sondern muss zu mehr Transparenz führen“, kritisiert Cornelius Grimm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender
Die Bearbeitungsdauer lag 2024 im Schnitt noch bei 5–8 Monaten. 2025 meldet die Verwaltung eine deutliche Verkürzung auf 3–3,5 Monate. „Das klingt nach Fortschritt. Aber die Zahl der Genehmigungen ist im laufenden Jahr massiv zurückgegangen: 2024 waren es bis September schon 98, 2025 bis Ende Juli nur 54. Weniger Anträge erklären natürlich auch kürzere Wartezeiten – das ist kein echter Erfolg“, erklärt Grimm.
Die FDP warnt: Lüneburg braucht dringend neuen Wohnraum, gleichzeitig aber auch Flächen für Gewerbe. „Wer Wohnungen oder Betriebe bauen will, darf nicht monatelang auf Genehmigungen warten. Die aktuellen Zahlen zeigen: Es stockt. Das ist gefährlich für die Entwicklung unserer Stadt“, so Grimm
Kritisch sieht die FDP die Vorgehensweise beim MOIN-Busbetriebshof: Der Bauantrag ging Mitte Juli 2025 ein, bereits Anfang September lag eine Teilbaugenehmigung für die Bodenplatte vor. „Natürlich begrüßen wir den Ausbau des klimafreundlichen ÖPNV. Aber warum geht das hier in wenigen Wochen, während private Bauherren oder Mittelständler monatelang warten müssen? Typische Teilbaugenehmigungen sind in Lüneburg die Ausnahme – und für Bürgerinnen und Bürger schwer nachzuvollziehen“, betont Fraktionsvorsitzender Frank Soldan.
Die FDP-Fraktion formuliert drei klare Erwartungen an die Verwaltung: Künftig müsse die Stadt Baugenehmigungen differenziert nach Wohnungsbau, Gewerbe und sonstigen Bauvorhaben auswerten und über die Jahre hinweg vergleichbar darstellen. Ebenso brauche es transparente Angaben zu den Bearbeitungszeiten, damit Politik und Öffentlichkeit nachvollziehen können, wie lange Verfahren im Durchschnitt dauern – und zwar aufgeschlüsselt nach Bauarten. Entscheidend sei außerdem, dass alle Bauherren nach denselben Maßstäben behandelt werden: private Bauherren, Unternehmen und auch städtische Gesellschaften müssten Genehmigungen nach denselben Kriterien und mit derselben Geschwindigkeit erhalten.
„Wir stehen zu Projekten wie dem MOIN-Betriebshof – aber sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass es eine Zwei-Klassen-Genehmigung gibt. Lüneburg braucht dringend Wohnungen und Gewerbe. Wer schnell genehmigen kann, muss das auch für alle tun“, so Grimm abschließend.